Aufrecht gehen.
Nicht im Gleichschritt marschieren.


Dies war das Motto der diesjährigen "Courage Zeigen“ Veranstaltung vor dem Völkerschlacht-Denkmal in Leipzig. Bereits im 9. Jahr demonstrierten wieder tausende Leipziger und Leipzig-Besucher am Vorabend des 1. Mai 2006 gegen Rassismus und Faschismus nicht nur in dieser Stadt sondern überall.
Was damals als spontane friedliche Demonstration gegen eine Kundgebung rechter Extremisten begann, ist inzwischen zu einem Traditions-Rockmusikspektakel geworden, das auch in diesem Jahr wieder von vielen Künstlern unterstützt wurde.

Den Anfang machte die junge Mädchen-Band "Lipstix", die dem bereits um 18.00 Uhr schon zahlreich erschienenen Publikum ordentlich einheizte.
Mit "Eiszeitklub" folgte dann eine Band, die mit ins Ohr gehenden Melodien und ehrlichen Texten die Zuschauer wie ein Magnet Richtung Bühne zog. Sie machten gute Laune, animierten zum Tanzen und die ersten Zugabe-Rufe wurden laut. Aber die Bands waren angehalten, sich strickt an den gesteckten Zeitplan zu halten, damit die Veranstaltung nicht wie in den vorhergegangenen Jahren in Verzug gerät.


Seit 8 Jahren wird "Courage Zeigen" von dem Jugendfestival "Junge Musiker gegen Gewalt und Rassismus" begleitet und wie immer durften die Gewinner dieses Contests beim Open Air am 30.04. spielen. Da diesmal die Gewinner-Entscheidung so knapp wie nie ausgefallen ist, entschied man sich, auch die zweitplatzierte Band auftreten zu lassen. So überraschte "Shaype" mit ausgefeiltem Sound und begeisterte vor allem durch die ausdrucksstarke und kraftvolle Stimme der erst 19jährigen Sängerin Jasmin Graf.
Als vom Moderator Alex Huth die Siegerband "3 Apes" angekündigt wurde, war der Platz vor dem "Völki" schon reichlich gefüllt und die Stimmung gut, laut und ausgelassen. Aber trotz aller guter Musik und Laune stand immer im Vordergrund, weswegen dieses Festival seinerzeit entstanden ist und bis heute nichts an seiner Wichtigkeit und Aktualität verloren hat. Alex Huth betonte immer wieder, wie entscheidend es sei, dass alle Bürger Leipzigs Zeichen setzen und Courage zeigen gegen rechte Gewalt und Rassismus - was mit lauten "Nazis Raus"-Rufen aus dem Publikum unterstrichen wurde.

Natürlich traten alle beteiligten Künstler ohne Gage auf und auch die Organisatoren, Bühnen-Techniker, Securities, Moderatoren und Dienstleister waren kostenlos dabei. Trotzdem bleiben Kosten nicht aus und daher wurde in diesem Jahr zum ersten Mal ein Button zum Kauf angeboten. Für einen Euro konnte man ihn erwerben, damit selbst Stellung beziehen und gleichzeitig den Courage e.V. unterstützen.
Trotz aller Vorhersagen spielte auch das Wetter mit, jedoch wurde es bei einsetzender Dunkelheit immer kälter. Der Kaffee- und Tee-Stand machte wohl das Geschäft seines Lebens, denn während die Verkäuferin an der Eis-Bude Langweile hatte, musste man bis zu 45 Minuten Wartezeit einplanen, um an ein Heißgetränk zu gelangen. Diese Zeit wurde ja aber musikalisch untermalt und so tanzte und freute sich die Warteschlange am Kaffeestand zu den Klängen von V:Ness, die eine stimmgewaltige und beeindruckende Show darbot.

Als eins der Highlights des abends, betrat dann Stoppok die Courage-Bühne. Ganz allein nur mit Gitarre und onefoot Drumkit riss er die Zuschauer vom ersten Ton an mit. Der Platz vor dem "Völki" war inzwischen brechend voll und Stoppok's Texte, seine Energie und Power und auch das, was er zwischen seinen Songs zu sagen hatte, begeisterten bis in die allerletzten Reihen.

Es wird ja oft davon gesprochen, dass die Künstler, die an solchen Veranstaltungen teilnehmen, sich nur selbst darstellen wollen und gar nichts erreichen können. Dass dies nicht so ist, hat nicht nur Bob Geldof durch Live 8 bewiesen, sondern auch jemand, der einer der wichtigsten Initiatoren von Courage Zeigen ist: Sebastian Krumbiegel. Dieser stand diesmal nicht als "Prinz" auf der Bühne, sondern feuerte mit der New East West Connection ein wahres Feuerwerk an Stimm- und Textakrobatik ab. Er tobte über die Bühne, tanzte, sang und demonstrierte beeindruckend seine Meinung und Stellung zu Courage Zeigen gegen Rechts.


Den Abschluss des musikalischen Programms bildeten dann würdig "Die Happy". Es wurde gerockt, was das Zeug hielt und auch die letzte Schlafmütze am letzten Ende des Platzes stand auf, um zur Bühne vorzukommen und mit allen Zuschauern gemeinsam zu springen, zu tanzen und zu feiern. Für Sängerin Marta war es etwas schwierig, wie sie selbst sagte, denn sie als Ausländerin könne schlecht etwas zur rechten Bewegung in Deutschland sagen. Trotzdem bezog sie berechtigt Stellung und die "Nazis Raus"-Rufe wollten nicht enden.



Wer vom ersten Festival an dabei war, dem fiel eins besonders auf: Die Organisation wird von Jahr zu Jahr professioneller und die Sicherheitsvorkehrungen immer besser. So durfte diesmal niemand, der auf den Platz vor der Bühne wollte, Glasflaschen mitbringen, was den positiven Effekt hatte, dass man zum ersten Mal nicht über Müllberge waten musste. Mein Tipp für's nächste Jahr: Bitte während der Veranstaltung nicht so viele Menschen in den Graben zwischen Bühne und Absperrung lassen. Das war nicht nur nervig für die Zuschauer, sondern meiner Meinung nach auch ein Sicherheitsrisiko!!
 

Mein Fazit: Weiter so, weiter Courage zeigen und weiter demonstrieren gegen den rechten Mob, nicht nachlassen und nicht aufhören Gesicht zu zeigen für ein tolerantes, friedliches und multikulturelles Deutschland.
 


Sabine Lenz

 

                      

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