Der Soundtrack meiner Kindheit
Jan Josef Liefers
& Oblivion im Theater am Aegi

Heike Weiler

 
Es war eine Zeitreise in die Kindheit von Jan Josef Liefers, aber auch  vieler Besucher, des ausverkauften Theaters am Aegi in Hannover. Denn die Bewohner Hannovers und des Umlandes konnten auch damals schon das DDR Fernsehen und den DDR Rundfunk empfangen und den Reaktionen der Besucher war zu entnehmen, dass davon auch rege Gebrauch gemacht worden ist. Oft waren wieder erkennende Äußerungen  zu vernehmen bei den Einspielern von Liefers, wie zum Beispiel bei Pittiplatsch oder Herrn Fuchs aus „Meister Nadelöhr“, was Liefers auch mit „Na, habt ihr wohl auch heimlich geguckt“ quittierte. Für die Jüngeren war es wohl eher eine Reise in die Geschichte und für die anwesenden ehemaligen DDR Bürger, die an ihren Kommentaren oder am Mitsingen auszumachen waren, war es bestimmt  auch eine Zeitreise in ihre eigene Kindheit oder Jugend in der DDR. Die Anzahl derer hielt sich aber in Grenzen, so dass es ein Konzert war, bei dem nur vereinzelt in manchen Ecken leise mitgesungen wurde. Viele hörten  die meisten Lieder aus DDR-Zeiten wohl zum Ersten Mal, was dem Ganzen aber keinen Abbruch tat. Im Gegenteil! Die Songtexte wurden angespannt verfolgt und mit stetem Beifall belohnt. Manchmal machte die Lautstärke allerdings ein Verstehen sehr schwer. Auch die Qualität der Originaleinspieler von Ulbricht, Honecker u.a. ließen einen manchmal Omas Hörrohr herbei wünschen. Aber auch dies störte nicht wirklich, gehörte zur Atmosphäre und man wunderte sich eh, wo Liefers diese „Schätzchen“ ausgegraben hat.

Auch wusste er das Publikum einzubinden, wie z.B. bei Karats Song „Und ich liebe dich“, den er nur mit weiblicher Unterstützung zum  Besten bringen wollte. Als Jugendlicher hat er diesen auf der Gitarre zum „Mädels Aufreißen“ gespielt, meist Katholische, da diese experimentierfreudiger gewesen wären. Liefers hatte noch gar nicht ausgesprochen, als ein Finger einer jungen Frau nach oben schnellte und sie daraufhin auf die Bühne gebeten wurde. Ihr augenzwinkernder Kommentar „Ich bin eben Katholisch geworden“!

Liefers schaffte an diesem Abend den Spagat zwischen Informationen von sich, der DDR und der Musik. Es war „Rund“, wurde nie langweilig! Das dreistündige Konzert, ließ Jedem Raum für seine ganz persönliche Zeitreise, sogar noch mit anschließenden Autogrammen oder die Möglichkeit ein paar Worte mit Jan Josef Liefers zu wechseln. 

Meine persönliche Zeitreise endete auf dem Weg zum Auto, noch gedankenverloren stolperte ich praktisch über einen – „Groschen“. 

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